STAPP: Swiss Tajik Pediatric Project

10 Jahre Erfolg in der Mongolei und 5000 erfolgreiche Behandlungen der DDH (developmental dysplasia of the hip) haben uns ermutigt, unser Projekt zu erweitern. Im Oktober 2017 hat das Team ein Pilotprojekt in Tajikistan lanciert. Während unseres ersten zweiwöchigen Aufenthaltes haben wir 40 ÄrztInnen ausgebildet und zertifiziert. Zwei grosse Geburtskliniken der Hauptstadt Dushanbe wurden von uns mit Ultraschallgerät und dem für Diagnostik und Behandlung benötigten Material ausgerüstet. Das Projekt stösst auf enormes Interesse sowohl seitens der Mediziner, als auch des Gesundheitsministeriums, das seine Unterstützung verspricht. Im Mai 2018 haben wir während einer Woche einen intensiven theoretischen und praktischen Refresher-Kurs für die Ärzte des "National Research Institute" und des Geburtsspitals 1 durchgeführt. Seit Anfang 2019 beschäftigen wir einen Projektkoordinator in Dushanbe. Wie in vielen Ländern in Zentral Asien werden in Tajikistan die Neugeborenen traditionellerweise in den ersten Lebensmonaten in Tüchern mit gestreckten Beinen eng gewickelt und werden zusätzlich auf einer schaukelnden Wiege «Gahvora» festgebunden. Dies führt durch die Fixation der Beine dazu, dass instabile Hüftgelenke förmlich „ausgehebelt“ werden. So wird die spontane Nachreifung verhindert, oder es kann gar zu einer Verschlechterung und Luxation einer leichtgradigen DDH kommen. Die Häufigkeit der DDH ist gemäss unseren Erkenntnissen häufiger als in der Schweiz. Eine daraus resultierende Behinderung wiegt in einem Entwicklungsland ohne soziales Auffangnetz jedoch sehr viel schwerer. Betroffene sehen sich oft ihrer beruflichen Chancen beraubt und sozial diskriminiert. Eine Hüftgelenksersatztherapie ist für das Land unerschwinglich, zudem entspricht auch die Technik der Operation nicht den heutigen Standards. Durch ein sehr frühes Erkennen der DDH mittels Ultraschall kann eine Hüfte ohne Operation mittels Hüftschiene therapiert werden und somit eine lebenslange Behinderung verhindert werden.

Info zu Tadschikistan:

Tadschikistan ist ein Hochgebirgsland, das an Usbekistan, Kirgisistan, die Volksrepublik China und Afghanistan grenzt. Mehr als zwei Drittel der Fläche sind Hochgebirge. Das Klima ist extrem kontinental mit kalten Wintern und heißen Sommern. 84,3 % der Bevölkerung (2010) sind Tadschiken. Die Geburtenrate betrug 2016 2,7 Kinder pro Frau. 32,5 % der Bevölkerung waren unter 15 Jahre alt.

2004 betrugen die öffentlichen Gesundheitsausgaben 1% des BIP. In den frühen 2000er Jahren waren etwa 200 Ärzte pro 100 000 Einwohner vorhanden. 2005 lag die Säuglingssterblichkeit bei 5,9 % der Lebendgeburten. Die Lebenserwartung betrug im Zeitraum von 2010 bis 2015 70,4 Jahre (Männer: 67,7 Jahre, Frauen: 73,5 Jahre).

Relativ viele Geburten in Tajikistan erfolgen immer noch zu Hause in den schwer erreichbaren Provinzen. In den zwei Geburtskliniken, die für die erste Phase des Pilotprojektes für Hüftsonographie ausgewählt sind, werden im Jahr ca. 16’000-20'000  Kinder geboren.